Johannes–Evangelium

Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; und ihr tut, was ihr von eurem Vater gehört habt. Joh 8,38

Es geht Jesus um das Reden, während es seinen Gegnern ums Tun geht. Es geht bei Jesus um seinen Vater und bei seinen Feinden um ihren Vater. Es geht Jesus um das Sehen und bei seinen Widersachern um das Hören. Dreifach also unterscheiden sich nach Johannes Jesus und die, die ihn vernichten wollen!

Für uns Menschen hat das Sehen eine ganz andere Überzeugungskraft als das Hören. Abgesehen von optischen Täuschungen und künstlichen Bildern nehme ich durch Sehen die Wirklichkeit wahr, ich nehme das Wirkliche in seiner Wahrheit in mich auf! 

Hören ist zwar auch ein Wahrnehmen. Aber wenn mir jemand etwas zu Gehör bringt, weiß ich noch lange nicht, ob es sich in Wirklichkeit auch so verhält. Ich kann mit Worten die Wahrheit sagen oder aber lügen und betrügen. Deshalb heißt es in 5. Mose 17,6 „aus zweier oder dreier Zeugen Mund“ muss ein Todesurteil bestätigt werden. Anbei: Diese zwei bis drei gleichlautende Zeugnisse fanden sich für die Verurteilung von Jesus nicht. Erst auf sein eigenes Wort hin konnte der Hohepriester das Todesurteil fällen! Sehen oder hören – ein zweiter Unterschied.  

Und der dritte: mein Vater und euer Vater, sagt Jesus. Mein Vater lässt mich sehen und reden, euer Vater lässt euch hören und tun. Wie, wenn sich das von eurem Vater Gehörte verfälscht hurde? Wenn es nicht die Wahrheit, sondern ihre Verkennung zu Gehör kam? 

Seit der Reformation pochen wir Evangelische auf unseren Luther: „Das Wort sie sollen lassen stahn…“! Die Worte der Heiligen Schrift, die Worte der Geistlichen, die Worte der Gläubigen. Wortlastig sind Theologie und evangelischer Glaube!   

Olav Hanssen, der damalige Leiter des Missionsseminars in Hermannsburg, hat seinen Leitbegriff in einem schmale Buch festgehalten: „Leben heißt Sehen“. Damit trifft er in die Mitte des Ringens zwischen Jesus und seinen Gegner, zwischen Sehen und Hören, zwischen Wahrheit und Irrtum, wie er sich damals aufgetürmt hatte! 

Wie kann ich heute als Wortlastiger sehen lernen, ob mit dem Vater oder dem Sohn:  

„Und siehe, es ist sehr gut.“

„Sehet die Lilien auf dem Felde…“