Johannes–Evangelium

Abraham, euer Vater, wurde froh, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich. Joh 8,56

In der Lyrik würde dieser Vers als Chiasmus bezeichnet werden, in dem sich zwei Aussagen entgegengesetzt wiederholen, hier: Erst Frohsein und Sehen und dann entgegengesetzt gesehen und sich gefreut haben. Seit den Tagen Abrahams waren jedoch nach biblischer Überlieferung rund 1500 Jahre vergangen. Wie sollte Abraham damals schon gesehen haben können, was Jesus heute war und verkündete? Hatte er eine Vision oder einen Traum, ein Phantasiebild eine feste Vorstellung? 

Ich glaube, er sah den Nachthimmel, der ihn mit unfasslichem Staunen überwältigte (1. Mose 15): „3 Und Abram sprach: Mir hast du keine Nachkommen gegeben; und siehe, einer aus meinem Haus wird mein Erbe sein. 4 Und siehe, der HERR sprach zu ihm: Er soll nicht dein Erbe sein, sondern der von deinem Leibe kommen wird, der soll dein Erbe sein. 5 Und er hieß ihn hinausgehen und sprach: Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? Und sprach zu ihm: So zahlreich sollen deine Nachkommen sein! 6 Abram glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.“

Ist es dieser nächtlich funkelnde Sternhimmel gewesen, der Abraham überwältigt hat? Ein Sternhimmel, den wir heute nicht mehr sehen können, weil das Streulicht der Städte und Straßen, der Autos und Fabriken den Nachthimmel verblassen lässt? Wir müssten schon in die Wüste Sahara reisen, um ihn zu sehen, wie Abraham ihn sah. 

Ich erinnere mich an eine Nacht in Kap Sunion in Griechenland vor rund fünfzig Jahren, fern von Städten und künstlichem Licht, in der ich rücklings auf einem Liegestuhl lag und den unermesslichen Sternhimmel funkeln sah. Damals habe ich erlebt, was Abraham schon in jener Nacht erlebt haben musste: Ein unendliches Meer der Sterne funkelte an einem Nachthimmel, der sich über mir von einem Horizont zum anderen wölbte. 

Ich werde diese Nacht niemals vergessen. Und so hat auch Abraham seine Nacht niemals vergessen. Er glaubte und ihm geschah, wie er geglaubt hatte. Als seine Nachkommen in Christus falten Unzählige bis heute ihre Hände! 

Berührt der Nachthimmel noch mein Herz?