Johannesevangelium

Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Joh 10,14f

das Hebräische unterscheidet zwischen Kennen und Erkennen. Was ich schon kenne – zum Beispiel die neuesten Nachrichten – langweilt, wenn ich sie während einer längeren Autofahrt zum dritten Mal unverändert höre. Anders ist das mit dem Erkennen. Wenn mir ein Licht aufgeht und ich eine bis dahin verborgene Wahrheit, einen mir ganz unbekannten Zusammenhang erkenne, dann ist das mit starken Gefühlen der Freude, des Glücks und auch des Stolzes verbunden. 

Das Hebräische geht noch weiter. Denn Erkennen heißt auch lieben und sich liebend vereinen. So erkannte Adam seine Eva und sie wurde schwanger. In diesem Sinne besagt auch das Kennen des guten Hirten sein Erkennen als ein Lieben. Seine Liebe macht den Hirten zum guten Hirten. Seine Güte geht so weit, dass er sich für das Leben der Schafe einsetzt, sich für sie hingibt, ja, sein Leben dahinlebt, damit sie durch ihn und seine Hingabe leben können. 

Was Menschen nur in seltenen Ausnahmefällen wagen, das hat Gott selbst in seinem Sohn auf sich genommen: Er erkannte seine Schafe, die doch für uns Menschen stehen, so tief, dass er sein Leben dahingab, damit sie nicht verlorengehen. Umkehrung aller natürlichen Religion: Nicht der Mensch opfert, damit ihm Gott etwas gebe, sondern Gott opfert sich, damit der verirrte, verkehrte und verlaufene Mensch empfange und wieder zurecht komme!

Also nicht nur einfach Kennen als ein Wissen, sondern Erkennen als ein Lieben, dessen Frucht – wie alles Lieben fruchtbar ist – Leben und Licht verbreitet. Wo wir lieben, werden unsere Herzen weit. Wir werden Schenkende, Beglückende, mit allen Freundliche, verwandelt durch die Kraft der Liebe, die alles mit einschließt, was uns auf dem Wege begegnet!

Ich bin von Gott erkannt, so tief, wie er sich in seinem Sohn gegeben hat. Erkenntnis der Liebe, die sich verschenkt, wie Paulus sagt, als wir noch Sünder waren. Ihn konnten nicht der Verzerrungen von Irrtum und Hass, von Bosheit und Rachsucht aufhalten. Deswegen endet sein Kennen mit der Hingabe seines Lebens. 

Größeres kann mir nicht widerfahren. Doch muss diese Wahrheit in meinem Herzen aufkeimen, wie ein Samenkorn in der feuchten Erde zum keimen beginnt. Seit bald 2000 Jahren will die Wahrheit seiner Liebe in meinem Herzen aufkeimen. Das geschieht immer dann, wenn aus einem bloßen Kennen ein Erkennen wird. 

Dass also seine Wahrheit tief in mein Herz hineinfällt, das wünsche ich auch jedem und jeder, die dieser Wahrheit vom guten Hirten Jesus nachsinnen!

Dein Erkennen ist mein Geliebtsein!

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