Johannesevangelium

Da antworteten seine Eltern und sprachen: Wir wissen, dass dieser unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. 21 Aber wieso er nun sehend ist, wissen wir nicht, und wer ihm die Augen aufgetan hat, wissen wir auch nicht. Fragt ihn, er ist alt genug; lasst ihn für sich selbst reden. Joh 9,20f

Wenn jemand befragt wird, gilt es nicht nur den Wortlaut der Frage zu hören, sondern auch auf den Ton, mit dem sie vorgetragen wird. Denn hier gilt das Sprichwort: „Der Ton macht die Musik!“ – Was war das für ein Ton? Er lässt sich aus dem Geschriebenen nicht heraushören. Die Buchstaben sind stumm und geben erst im nächsten Vers Auskunft. Aber es lässt sich hier schon ahnen: ein bedrohlicher Ton!

Die Eltern des Blindgeborenen waren nicht auf den Kopf gefallen. Sie wussten, dass die Heilung an einem Sabbat geschehen war und sie kannten die Schärfe, mit der die Pharisäer jede Störung der Sabbatruhe verfolgten. Das Ereignis der Heilung schlug bedrohliche Wellen und die Eltern wollten auf keinen Fall in den darum entstehenden Wirbel hineingezogen werden. Sie hatten doch auch tatsächlich nichts damit zu tun, denn weder hatten sie ihren blinden Sohn zu Jesus geschleppt noch waren sie Zeugen der Wunderheilung.

Sie hatten nichts damit zu tun und taten nichts Eiligeres, als das lautstark zu beteuern. Verwunderlich allerdings, dass kein Zeichen der Verwunderung, eine Äußerung des Glücks über das geschehene Wunder laut wird. Alles ist von dem bedrohlichen Ton der Befragung erstickt worden. Hier galt es die eigene Haut zu retten. Denn ein Ausschluss aus der Synagoge war so gut wie eine Verstoßung als der Gemeinde und Gemeinschaft der Verwandten, Nachbarn und Freunde. Das wollte sich keiner antun, schon gar nicht die Eltern, die doch völlig unbeteiligt an der so aufsehenerregenden Heilung ihres Sohnes waren.

Sie als Eltern waren doch nicht dabei und sahen nur das Ergebnis. Und so taten sie das einzig Gebotene in dieser Situation. Der Wiedersehend-Gewordene war doch kein Kind mehr. Er war erwachsen und konnte für sich selbst Rede und Antwort stehen. Soll er doch sagen, was vorgefallen war! Aber das hatte er doch schon getan mitsamt dem Bekenntnis, dass dieser Jesus ein Prophet, ein Mann Gottes sein musste, weil er so etwas Unglaubliches wie eine Blindenheilung bewirkt hatte.

Doch genau das wollte nicht in den Kopf der durch die Rationalität und nicht den Glauben gesteuerten Gesetzeshüter. Denn Gott steht doch als Herr des Sabbats über seinem Ruhegebot und kann den Tag des Heils mit einer Heilung unterstreichen, ohne sich selbst zu widersprechen! Er kann das Entweder – Oder der pharisäischen Logik durch sein Sowohl-Als auch überwinden! Und dass Jesus diesen rationalen Gegensatz überwand, erweist seine göttliche Vollmacht.

Wie Gottes Sowohl-Alsauch das rationale Entweder-Oder übersteigt!

Wie Gottes Sowohl-Alsauch das rationale Entweder-Oder übersteigt!

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