Johannesevangelium

 

Der Adler – sein Wappentier

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Gabriela Neumeier, pixelio

Johannes und der Adler

Unterwegs auf den Spuren des Johannesevangeliums

Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Joh 6,32

Bei diesem Bibelvers klingt mir der Kehrreim des Erntedankliedes von Matthias Claudius im Ohr: „Alle gute Gabe, kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm dankt…“ (EG 408). Wir leben in einer Kultur des Machens und das in einem Ausmaß, wie es noch nie in der Menschheit erlebt wurde. Sie lässt die alle Gaben und das Gegebene verblassen.

Früher staunte der Bauer noch über die kornreichen Ähren, die einem einzigen Samenkorn entsprossten. Heute staunen wir über die PS-starken Traktoren, über die Mähdrescher und die Melkmaschinen. Die Kunst von Wissenschaft und Technik überblendet die Gaben der Natur.

Doch wäre das alles nichts, wenn nicht das Gegebene zuvor und zugrunde läge. Ich könnte nichts machen, wenn mir mein Leben, meine Gesundheit und meine Kräfte nicht gegeben wären. Gabe ist alles, bevor es in die Maschinerie des Machens eingeht: Selbst wenn ich nicht fromm bin – der Kosmos ist mir vorgegeben. Die Materie liegt mir zugrunde. Die Entwicklung des Lebens habe ich nicht in Gang gesetzt. Die Entstehung der Menschheit habe ich nicht gewollt und nicht verantwortet. Ja, selbst die Erkenntnisse, auf die ich so stolz bin, entspringen Einfällen und Einsichten, die ich nicht gemacht habe.

Ich will mit dem Ältesten Johannes meinen Blick schärfen: Nicht Moses und auch keiner, der ihm gleichen wird, haben das Manna und die Schätze der Erde hervorgebracht, sondern – wie Jesus ihn nennt – mein Vater im Himmel.

Staunen über die Fülle der Gaben, darauf will Jesus mit seinem zweifachen „Wahrlich“ die Aufmerksamkeit richten. Und Staunen über den einen Geber dieser Gaben, den er Vater nennt. Doch damit ist noch nicht alles gesagt. Die Erfahrung des Mannawunders liegt in einer fernen Vergangenheit. Aber das Geben findet in der Gegenwart statt. Und da will Gott das wahre Brot, noch wörtlicher, das Brot, das wahrhaftige, geben. Jetzt, hier, heute und mir! Was ist das für ein Brot, das den Menschen, den Geist des Menschen satt machen kann?

Wo finde ich Brot der Wahrheit, die sättigt?

Joh 6,1f Danach ging Jesus weg ans andre Ufer (1)