Johannesevangelium

 

Der Adler – sein Wappentier

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Gabriela Neumeier, pixelio

Johannes und der Adler

Wenn ein Mensch am Sabbat die Beschneidung empfängt, damit nicht das Gesetz des Mose gebrochen werde, was zürnt ihr dann mir, weil ich am Sabbat den ganzen Menschen gesund gemacht habe? 24 Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet gerecht. Joh 7,23f

Die Einheit der Jesusgemeinden mit den Judäern zerbrach, insbesondere mit den bekenntnistreuen Pharisäern und Priestern (VV 23ff). Dabei wurde die Sabbatfrage zu einer auf Leben und Tod geworden: Ein letztes Entweder-Oder zwischen Jesus und den Strenggläubigen seines Volkes. Hier findet sich sein letzter Versuch einer Lösung des Konflikts!

Wenn es zu Widersprüchen zwischen zwei Anordnungen des Gesetzes kommt, dann wird nach dem übergeordneten Gesetz entschieden und das untergeordnete außer Kraft gesetzt. Mit der Beschneidung wird ein Mensch in die jüdische Gemeinde aufgenommen. Sie steht als das schlechthin übergeordnetes Gesetz über allen. Deswegen wurde sie auch am achten Tag vollzogen, selbst wenn diese auf einen Sabbat fiel und die Sabbatruhe gebrochen werden musste.

Wenn Jesus das Leben eines 38 Jahre lang Gelähmten gesund macht (5,16), dann steht das „Gebot des Lebens“ – diese einmalige Heilung – über der regelmäßigen Pflege der Sabbatruhe. Diese Argumentation leuchtet ein.

Doch es geht nicht um die Logik des Lebens und auch nicht um diese Heilung am Sabbat, für die doch alle hätten Gott loben und ihm danken sollen. Hier stoßen zwei Grundprinzipien aufeinander: Kommt Gott, wenn wir seinen Willen tun, und zwar ganz? Oder ist Gott schon längst da und wirkt mit seinem Willen mitten unter uns, oft genug unerkannt?

In der Reformation spielt sich das Drama zweier Grundsätze im Inneren von Martin Luther ab: Gott kam nicht, wie sehr er sich auch mit mönchischer Leistung bemühte. Bis in seinem Turmerlebnis Gott zu ihm kam: umsonst, allein aus Gnade, mit seiner ganzen Gerechtigkeit!

Wieder einmal stehen wir in einer gewaltigen Zerreißprobe: Werden wir Corona mit Vorschriften besiegen? Werden wir rechtzeitig einen Impfstoff finden? Werden wir aufkeimende Krankheitsnester isolieren können? Ich hoffe das Beste! Doch eines werden wir nicht: die Todesfrage und damit die Lebensfrage lösen! Es sei denn, wir fänden sie gelöst im Glauben an den, der den Tod besiegt hat.

Tröstet mich der Glaube in Todesängsten?

 
 
 
 
 

Was die Welt im Innersten zusammenhält