Johannesevangelium

 

Der Adler – sein Wappentier

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Gabriela Neumeier, pixelio

Johannes und der Adler

Unterwegs auf den Spuren des Johannesevangeliums

Als sie aber satt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. Joh 6,12

„Damit nichts umkommt.“ – Diese Bitte findet sich nur im Bericht des Ältesten Johannes. Er öffnet uns die Augen für eine andere Zeit, in der gehungert wurde. Damals – zur Zeit von Jesus und seinen Jüngern – gehörte der Hunger zum Leben dazu. Nicht immer gab es zu essen und bei Missernten kam es sogar zu Hungersnöten. Damals waren auch auch Brotreste wertvoll.

„Unser täglich Brot gib uns heute“ konnte noch wörtlich gebetet werden. Die Zeiten, als Menschen in Deutschland gehungert haben, sind mir durch meine Mutter in lebhafter Erinnerung. Wenn sie vom Krieg und besonders der Nachkriegszeit berichtete, erzählte sie auch, wie oft sie gehungert hatten.

Sie konnte daher kein Brot wegwerfen. Das wäre ihr eine Todsünde gewesen. Altes Brot wurde dann in den Kaffee getunkt und so aufgeweicht. Oder wir haben uns über den „Armen Ritter“ gefreut: Alte Brotscheiben wurden in einer Mischung von Milch, Eiern, Zucker und Vanille eingeweicht und gebacken. Das schmeckte köstlich und gar nicht nach abgestandenem Brot. Das Gericht soll übrigens auf die Römerzeit zurückgehen. Nein, bei meiner Mutter durfte Brot nicht weggeworfen werden. Selbst den Schimmel kratzte sie ab, wenn der Rest noch genießbar war.

„Damit nichts umkommt!“ – Heute haben wir das gegenteilige Problem. Es gibt nicht zu wenig Brot, es gibt zu viel Brot – jedenfalls in unseren Wohlstandsländern. Die Regale in den Supermärkten biegen sich und das alte Brot landet – falls nicht in der Tonne – auf einer Tafel zur Speisung von Bedürftigen.

Abgesehen von bedrückenden, wirtschaftlichen Notwendigkeiten, in denen Lebensmittel im Großmaßstab vernichtet werden, leiden wir heute am Überfluss. Wir müssten beten: „Gib uns unser täglich Fasten heute!“ –Verzichten lernen, um wieder genießen zu können. Fasten einhalten, um den Wohlgeschmack des Brotes nach längerem Verzicht wieder schmecken und schätzen zu lernen. Und auch bei einer Aktion „Brot für die Welt“ engagiert sein, weil immer noch rund eine Milliarde von Menschen nicht täglich satt werden.

Kann ich „mein Brot“ noch dankbar essen?

Joh 6,1f Danach ging Jesus weg ans andre Ufer (1)