Johannesevangelium

 

Der Adler – sein Wappentier

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Gabriela Neumeier, pixelio

Johannes und der Adler

Unterwegs auf den Spuren des Johannesevangeliums

ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Joh 6,38

„Des Menschen Wille ist sein Himmelreich“, so pflegen Eltern manchmal zu sagen, wenn sich ihr Kind im Trotzalter mit seinem Willen durchgesetzt hat. Aber wir können es auch bei Erwachsenen sagen, wenn sie nach vielen Mühen endlich ihr Projekt durchgesetzt, nach vielem Drängen endlich ihren Traum verwirklicht haben.

Solche Momente verleihen Gefühle der Höhe, der Freiheit, der Leichtigkeit, kurz des Himmels. Jesus spricht aber von einem anderen Glück, bei dem es nicht hinauf in den Himmel geht. Er spricht davon, dass er vom Himmel herabgestiegen ist und davon, nicht seinen Willen, sondern den Willen des Vater zu erfüllen.

Hinabsteigen heißt, sich einzufügen: in die Natur, in meinen Körper, in mein Schicksal, in das Gegebene. Das Bild des Einfügens erinnert mich an einen Maurer, der einen Stein behaut, damit er in die Fuge passt. Da muss eine Ecke abgeschlagen werden, etwas von der anderen Seite abgenommen werden. Und dann passt der Stein genau in die Fuge. Er kaist in sie einfügt. Und darin liegt ein ganz eigenes Glück!

Das also meint Jesus, wenn er davon redet, dass er vom Himmel herabgestiegen ist, um nicht seinen Willen zu tun, sondern sich dem Willen des Vaters zu fügen. Denn nur die eine Hälfte des Lebens besteht darin, sich selbst zu verwirklichen und seinen Willen auch gegen Widerstände durchzusetzen. Die andere Hälfte besteht darin, dass ich mich mit meinem Willen in das Unausweichliche füge, was mir Natur und Körper, Geschick und Geschichte aufgeben.

Ins Gegebene, ins Vorgegebene sich einfügen ist kein Unglück und keine Schwäche, sondern dort, wo es im freien Einwilligen gelingt, ein ganz eigenes, stilles, manchmal auch leidvolles Glück. Ich passe mich ein, ich finde in meine Bestimmung hinein: Ich füge mich ein.

Doch damit bin ich auch mitten in einem inneren Ringen: Wo muss ich meinen Willen – um Gottes Willen! – durchsetzen und darf mich nicht verbiegen lassen? Und wo muss ich lernen, mich einzufügen und darin meinen Frieden zu finden? Jesus hat es an dem Willen des Vaters festgemacht, der ihn gesandt hat. Wie kann ich ihn anders finden als im Horchen auf die Stimme meines Herzens?

Wo habe ich mich einzufügen?

Joh 6,1f Danach ging Jesus weg ans andre Ufer (1)