Johannesevangelium

 

Der Adler – sein Wappentier

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Gabriela Neumeier, pixelio

Johannes und der Adler

Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. Joh 7,38

Was glaube ich, wenn ich an Jesus Christus glaube? An der Schwelle zum Advent sagt es der Liederdichter Gerhard Tersteegen so (EG 41,4): „Gott ist im Fleische, wer kann dies Geheimnis verstehen?“ – Das heißt doch, dass er nicht in den Höhen geistiger, himmlischer Träume und Herrlichkeiten zu finden ist. Nein, er ist in Jesus leibhaftig geworden: Er lag arm in eine Krippe. Er war unterwegs, ohne Gruben wie die Füchse oder Nester wie die Vögel zu haben; er war ohnmächtig gegen die Gewalt, die ihn kreuzigte: Und doch wurde er so, gerade so, zum Wasser des Lebens für die Samariterin (Joh 4).

Hier jedoch ist Ungeheuerliches gesagt: Unserer Leibeshöhle – so im Griechischen wörtlich – entspringen Ströme lebendigen Wassers! Diese Leibeshöhle ist der Bauch des Menschen, Zentrum seiner Sinnlichkeit und Triebe. Ort des Empfangens und Gebärens neuen Lebens: Geschlechtlichkeit. All das, was normalerweise in der Kirche und Religion, auch in weiten Teilen des Neuen Testaments, für die abschüssige Bahn der Sünde steht!

Gerade da, nicht im Herzen, nicht im Kopf, sondern im Zentrum des Leiblichen und Fruchtbaren entspringen die Ströme des Lebens, die der Glaube in mir freisetzen will. Wenn wir jetzt Advent feiern, dann werden wir eingeladen, im Geist den Weg zum Stall nach Bethlehem zu gehen. Und dieser Weg führt hinab, nicht hinauf!

Unser natürliches Streben geht nach oben: der, die erste sein, seine Sache gut und erfolgreich voranzutreiben, die Anerkennung von anderen zu gewinnen: Niemand kann sich von diesem Urtrieb des Lebens freimachen. Aber die dunkle Seite des Lebens bleibt dabei zurück: die Schatten der Vergangenheit, die Irrungen und Verfehlungen, die Begrenztheit und Endlichkeit des Daseins, die unsere lichten Seiten überschatten.

Solange diese dunkle Hälfte meines Lebens abgespalten bleibt, kann kein lebendiges Wasser, keine Liebe fließen. Erst wenn ich den Himmel der Liebe in der leibhaften Gegenwart eines Geliebten, einer Geliebten erfahre, bin ich an der Quelle, die in mir selbst zur Quelle wird: Wie jede Quelle aus der Tiefe der Erde entspringt, so auch die Quelle der Liebe, die sprudelt, wenn ich Gott in meiner Leiblichkeit entdecke.

Glauben heißt Gott im Leiblichen zu finden!

 
 
 
 
 

Was die Welt im Innersten zusammenhält