Johannesevangelium

 

Der Adler – sein Wappentier

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Gabriela Neumeier, pixelio

Johannes und der Adler

Unterwegs auf den Spuren des Johannesevangeliums

„Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie sind’s, die von mir zeugen; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet.“ Joh 5,39f

Im Griechischen heißt es wörtlicher noch übersetzt: „Ihr forscht in den Schriften …“. Damals gab es noch Schriftrollen und keine Bücher. – Schriftforscher: Damit sind die alten und neuen Schriftgelehrten gemeint, unter die ich mich mit meinen wöchentlichen Auslegungen zähle. Denn auch ich bin ein Schriftforscher, der das ewige, Gültige in den Worten des Johannesevangeliums auszulegen versucht.

Aber was soll daran verwerflich sein? Seit mehr als 1500 Jahre suchen Christen in der Schrift das ewige Leben. Denn was haben wir – zumal wir Protestanten – anderes als die Schrift? Warum beklagt Jesus diese Schriftgläubigkeit so bitter?

Ich erinnere mich an ein Gleichnis meines verehrten Lehrers und Meisters Klaus Vollmer. Er erzählte zu Weihnachten gern folgende Geschichte: „Karlchen hat Geburtstag und seine Freunde machen sich auf den Weg, beladen mit Geschenken und Getränken. Doch unterwegs kommen sie durch einen Park, rasten und beginnen zu feiern. Flaschen auf, „Prost Karlchen“ und das Geburtstagfest beginnt. Doch Karlchen steht allein zuhause am Fenster und wartet auf seine Gäste: vergeblich!

Das ist ein schönes Gleichnis für eine Frömmigkeit, die allein an der Schrift hängt. Wenn sie schon das Ziel wäre, dann reicht es, bei ihr, ihren Worten und ihrer Auslegung zu bleiben. Dann hätten wir in ihr den lebendigen Gott. Wozu noch weiter suchen? Aber genau da liegt der Haken!

Die Heilige Schrift ist der Wegweiser zu Gott und noch nicht Gott selbst. So wie ein Wegweiser nach Frankfurt noch nicht die Stadt Frankfurt ist! Sie will den Weg zu einer lebendigen Gottesbegegnung weisen und nicht schon als diese Begegnung selbst gefeiert werden.

Das wollen diese beiden Verse doch nachdrücklich ins Gedächtnis rufen. Wenn Du das Wort Gottes hast, hast Du noch lange nicht Gott, sondern nur den Weg, auf dem er sich finden lassen will. Doch wohin führt mich der Weg?

Der Älteste Johannes sagt: Zu Jesus, denn ihn wollen heißt das Leben haben! Also ist die Schrift nur der Wegweiser, zu ihm selbst zu kommen! Und wie geht das? Mit ihm hinabsteigen in das leibhaftige Leben, in seine Schönheiten und seine Schmerzen, in sein Glück und sein Leiden. Denn dort wohnt Gott leibhaftig!

Wo finde ich Gott in meinen „Unten“?

Joh 5,1 Danach war ein Fest der Juden (1)