Johannesevangelium

 

Der Adler – sein Wappentier

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Gabriela Neumeier, pixelio

Johannes und der Adler

Unterwegs auf den Spuren des Johannesevangeliums

Wundert euch darüber nicht. Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden… Joh 5,28

Fast alles in diesem Vers ist kurz zuvor schon geschrieben worden, das Verwundern in Vers 20, die kommende Stunde und das Hören der Stimme Gottes in Vers 25. Nur zwei Wörter sind neu: Das Darüber– also nicht irgendewas, sondern diese Tatsache. Und dass statt den Toten ist von den in den GräbernLiegenden die Rede, die die Stimme Gottes hören. Daher nennt man diesen Vers eine „Relecure“, ein Wiederlesen späterer Überarbeiter.

Sie haben hinzugefügt, dass die Toten in den Gräber schlafen und durch Gottes Stimme aufgeweckt werden. Damit passt das vierte Evangelium besser in in die zeitlichen Vorstellungen der ersten drei Evangelien.

Bis heute  reden wir davon, dass ein Sterbender sanft eingeschlafen ist. Und etwas altmodicher nennen wir die Tote Entschlafene. Dahinter steht doch die Vorstellung, dass ein Schlafender aufgeweckt werden kann. Das 37. Kapitel schildert der Prophet Hesekiel eine Vision, wie sich auf einem Knochenfeld die Knochen sammeln, mit Fleisch überkleidet und durch Gottes Atem lebendig werden.

Darus hat sich der Glaube an die Auferstehung – das Aufstehen der im Tode Schlafenden – weiter ausgebildet. Da die Knochen das Unvergänglichste des Menschen sind, hat man sie in Beinhäusern gesammelt, damit sie jüngsten Tag wiederbelebt werden können: leibhaftige Auferstehung der Toten! Deswegen war früher die Feuergestattung bei Christen so verpönt!

Uralte Ahnung: Ein Schlafender führt nachts ein Traumleben. Bei den Afrikanern sind die Ahnengeister der Verstorbenen höchst lebendig. Bis ins dritte Glied hinein wirken sie und fordern die Rücksicht der Lebenden.

Daher stellten sich die Alten vor, dass es noch eine andere Wirklichkeit gäbe, ein Schattenleben; später wurde daraus die Hoffnung auf ein Leben im Geist. Die Schlafenen würden am Ende er Zeiten durch Gottes Ruf aufgeweckt werden.

Doch bei uns heute ist für viele mit dem Tod alles aus. Deswegen muss alles in das leibhaftige Leben hineingepackt werden. Könnte mich der Glaube an die Ewigkeit das tägliche Leben erleichtern? Ich lasse mir mit dem Voläufigen genügen? Mein alter Lehrer hat ein Buch geschrieben: „Das Schönste liegt noch vor uns“.

Kann ich mich auf ein schönes Erwachen freuen?

Siehe auch:

https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/beinhaus-in-oppenheim-schaedel-und-knochen-von-tausenden-verstorbenen-11680948.html

Joh 5,1 Danach war ein Fest der Juden (1)