Johannesevangelium

 

Der Adler – sein Wappentier

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Gabriela Neumeier, pixelio

Johannes und der Adler

Unterwegs auf den Spuren des Johannesevangeliums

Am nächsten Tag sah das Volk, das am andern Ufer des Meeres stand, dass kein anderes Boot da war als das eine und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Boot gestiegen war, sondern seine Jünger waren allein weggefahren. 23 Es kamen aber andere Boote von Tiberias nahe zu der Stätte, wo sie das Brot gegessen hatten, nachdem der Herr die Danksagung gesprochen hatte. Joh 6,22f

Wie wir aus dem ersten Vers des sechsten Kapitels erfahren haben, ist Jesus, dessen „Wahlheimat“ Kapernaum war, zusammen mit den Jüngern an das andere Ufer in eine einsame Gegend am Ostufer gefahren. Viel Volk war hinter ihnen am Ufer hergezogen, erlebte das Wunder der Speisung und wollte ihn zum König machen. Doch er entwich auf einen Berg, er ganz allein.

Am späten Abend bis in der Nacht versuchten die Jünger nach Kapernaum überzusetzen. Mitten auf dem See oder kurz vor der Landung begegnet ihnen Jesus auf wundersame Weise. Als sie ihn während seines Seewandels ins Boot nehmen wollen, knirscht der Kiel ihres Bootes schon am Strand von Kapernaum. Ein unfassliches Erlebnis, ein zweites Wunder nach der Speisung.

Das Volk recherchierte: Wo war Jesus abgeblieben? Am Ostufer war er nicht mehr. Dort hatte nur ein Boot gelegen, mit dem waren aber nur die Jünger ohne Jesus zurückgerudert. Wo war er abgeblieben? Wie sollte er wieder nach Hause kommen, nach Kapernaum? Allen, die vom Volk auf der Ostseite zurückgeblieben waren, war sein Verschwinden rätselhaft. Was sollten sie hier noch ohne ihn? So ergriffen sie die Chance, mit Booten zurückzufahren, die zufällig von Tiberias ans Ostufer gekommen waren.

Doch immer noch blieb die Frage offen: Wo ist Jesus abgeblieben? Über Land kann er nicht zurückgewandert sein. Das hätte das Volk bemerkt. Auf dem See kann er nicht zurückgefahren sein, denn nur seine Jüngern ohne ihn saßen im Boot. Auf dem Berg ist er auch nicht mehr. Nochmals: Wo ist Jesus abgeblieben?

Hier gewinnt die Erzählung des Ältesten Johannes symbolische Tiefe. Großes können wir in der Nachfolge erleben. Doch danach setzt oft genug eine depressive Erfahrung ein. Der, dem wir nachgefolgt sind, mit dem wir so große Dinge erlebt haben, er ist verschwunden. Und mit ihm fallen die großen und mitreißenden Erfahrungen in sich zusammen. Also bleibt nur die Heimkehr zum Alten!

Gott lässt sich zwar erfahren, aber nicht ergreifen!

Joh 6,1f Danach ging Jesus weg ans andre Ufer (1)