Johannesevangelium

 

Der Adler – sein Wappentier

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Gabriela Neumeier, pixelio

Johannes und der Adler

Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Und einer von euch ist ein Teufel. 71 Er redete aber von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Der verriet ihn hernach und war einer der Zwölf. Joh 6,70f

Ein Wort in diesen beiden letzten Versen des sechsten Kapitels verschlägt mir die Sprache: Teufel! In schonungsloser Nacktheit und Direktheit nennt der Älteste Johannes das Böse, das sich in dem Bösen materialisiert: in Judas! Diese Erschütterung hallt in dem zweimaligen „einer von den Zwölfen“ nach.

Aller guten Dinge sind drei: Das Volk, das ihn enttäuscht verlässt, weil er nicht den erhofften König spielen wollte. Die Gegner, die sich abwenden, weil er sich nicht greifen lässt. Und die Zwölf, die bei ihm bleiben, weil er „Worte des ewigen Lebens“ hat. Doch nun bleibt es nicht bie den dreien, sondern es gibt noch einen vierten, einen allein, einen von den Zwölf: Judas!

Das erste, was mir die Sprache verschlägt: Er gehört in den innersten Kreis. Er wurde von Jesus berufen und erwählt als engster Gefährte und Bote seiner Sache. Nur ein Vertrauter, nur einer, der die innersten Geheimnisse kennt, nur einer, der um das Göttliche in diesem Mann von Nazareth weiß, nur ein solcher Mann kann ihn verraten. Verrat steckt uns in allen, denn später bei dem letzten Abendmahl schrecken alle zwölf Jünger gleichermaßen auf, als Jesus den Verrat ankündigt: ‚Bin ich’s?“, so fragen sie alle.

Aber wer ist Jünger, den Jesus einen Teufel nennt? Ist er der Widersache, der Satan, wie er im Alten Testament heißt? Ist Jesus der Agon(ist), der Kämpfer, dann ist Judas der Antagon(ist), der Dagegen-Kämpfende? Oder kann sich das Böse so mit einem Menschen einen, dass er der Böse, der Teufel wird, wie in unseren Augen Hitler ein Teufel gewesen ist.

Das zweite, was mir die Sprache verschlägt, ist dieses „Bin ich’s“? Dann kann das Teuflische, das Diabolische auch mich ergreifen! Also will ich von mir reden. Manchmal sagen Menschen, die mir nahestehen: „Jetzt hast du so ein diabolisches Grinsen!“ Das saß, das trifft, fest wie mit einem Widerhaken. Wenn ich heute dafür eine Deutung finde, dann steht dahinter eine nicht zugelassene Aggression, die ich unter der Maske des freundlichen Lachens verberge. Klare Feindschaft ist nicht teuflisch, echte Freundschaft auch nicht, aber freundliche Nähe, die zerstörerische Triebe überdeckt.

Erlebe ich diabolische Momente?

Joh 6,1f Danach ging Jesus weg ans andre Ufer (1)